Die erste Station meiner Multi exposure Photography (Mehrfachbelichtung) Serie führt mich zum Nürnberger Hauptmarkt, im Herzen der Innenstadt. Der Nürnberger Hauptmarkt ist eine 5000 qm Freifläche, die als Wochenmarkt, werktäglich regelmäßig stattfindet, auf dem Händler mit ihren Ständen regionale Frischprodukte anbieten.

An diesem sonnigen Wintertag waren wenig Einheimische auf dem Markt, was die sonst fränkisch sprechenden emsigen Verkäufer nicht davon abhält, ihre Waren an die wenigen interessierten Touristen mit allem verfügbaren internationalen Sprach-Einsatz feilzubieten.

Nach ein paar Schritten über den Hauptmarkt erhebt sich voller Stolz die beeindruckende Frauenkirche, errichtet im gotischen Baustil, gehüllt im warmen Winter Sonnenlicht mit ihrer eleganten Fassade.

Perfekte Bedingungen für eine 3-fach Belichtung mit meiner Nikon D600 und der Nikkor 50 mm Linse.

Kirche Nürnberg Hauptmarkt
Multi exposure photography, Frauenkirche Nürnberg

Die Geschichte der Frauenkirche

Kaiser Karl IV. stiftete im Jahr 1355 die Frauenkirche, Frankens erste Hallenkirche mit zwei Gängen und einer Tribüne für den Kaiser.

Die Kirche wurde auf den Grundmauern der 1349 bei dem Pestpogrom zerstörten Synagoge des ehemaligen Judenviertels errichtet. Ein in den Kirchenboden eingelassener Davidstern mit der Zahl 1349, erinnert noch heute an die Synagoge. Als Bauherr wird immer wieder Peter Parler genannt, ohne dass es jedoch gesicherte Beweise gibt.

Die Kunstuhr und das „Männleinlaufen“

Die noch heute zu bestaunende Kunstuhr wurde im Jahr 1509 von dem Schlossermeister Jörg Heuss und dem Kupferschmied Sebastian Lindenast dem Älteren fertiggestellt und am Giebel des Michaelchors der Kirche angebracht. Es handelt sich um eine astronomische Uhr und sie zählt zu den Monduhren mit Mondkugel.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Uhr im Nürnberger Kunstbunker sicher aufbewahrt.

Der Ablauf des „Männleinlaufen“:

Mittags um zwölf Uhr heben nach dem vollendeten Stundenschlag (kurze Wartezeit für das Anlaufen des Werkes eingeschlossen) die beiden Fanfarenbläser dreimal ihre Instrumente. Anschließend treten über ihnen der Flötenspieler (der lautlos spielt) und der Trommelschläger in Aktion. Danach die Büste des Ausrufers (der lautlos seinen Mund bewegt), der mit einer Glocke läutet, sowie eine Büste, die ein Buch hochhält und darauf hinweist. Unter andauerndem Doppelglockenschlag (im schmiedeeisernen Türmchen schlagen zwei in türkischer Tracht gekleidete Männer mit einem Hammer abwechselnd auf eine Glocke) öffnen sich zwei Türen links und rechts des im goldenen Ornat thronenden Kaisers.

Nun beginnt das eigentliche „Männleinlaufen“:

Die sieben Kurfürsten kommen aus der rechten Tür, laufen auf den Kaiser zu und drehen sich in der Mitte zu ihm hin und wieder zurück in „Laufrichtung“. Die Figur des Kaisers grüßt mit dem Zepter. Nach dreimaligem Umlauf, verschwindet der ganze Zug wieder im Innern der Uhr.

Quelle: Wikipedia

Das täglich um 12.00 Uhr Mittag stattfindende „Männleinlaufen“ wird immer von einer mehr oder weniger großen Schar von Zuschauern beobachtet.

Die Uhr der Frauenkirche
3-fache Belichtung der Uhr

Der Zweite Weltkrieg

Die verheerenden Bombenangriffe im Januar 1945 zerstörten das Gebäude fast vollständig. Nur die Mauern des Langhauses und der Fassade waren erhalten geblieben.

Fritz Nadler beschreibt in seinem Tagebuch (Ich sah wie Nürnberg unterging) das traurige Bild der Frauenkirche nach den verheerenden Luftangriffen im Januar 1945:

„Zerschmettert, zerschlagen, zerfetzt ist die Kirche „Zu unserer Lieben Frau“. Nur die Betonwand, die die herrliche Westfassade schützt, blieb erhalten. (…) Vor der Frauenkirche liegt ein Stück bemalter Hauswand. Es stammt aus der Fresko-Malerei „Trau keinem Fuchs“. (…) An der nördlichen kleinen Pforte der Frauenkirche drängen sich die Menschen. Seit Tagen schon macht man diese Beobachtung. Männer und Frauen und auch Soldaten stehen vor dieser Türe aus der Bombenschutt quillt. Man muss sich selbst bei 1,77 Meter Körperlänge strecken, wenn man über diese Schutthalde hinwegschauen will, die die Kirche füllt und das Gestühle vergraben hat. Die Beichtstühle sind zerknickt. (…) Was erschüttert diese Menschen so tief? Ein Blick in das Kirchenschiff: Hoch oben hängt unversehrt das Kreuz mit dem Erlöser. Es hängt an einem dünnen Strich, einem Faden gleich, der aus dem sich über dem Gotteshaus wölbenden Januarhimmel zu kommen scheint. Hüben und drüben vom Kreuzeszeichen betende Gestalten. Maria und Joseph? Oder Maria und Theresia? Ich kann es nicht unterscheiden. Die Farben leuchten hell und frisch. Das Gold an der Kreuzigungsgruppe glänzt. Das ist das Bild, das die Menschen so erfasst. Wenn auch kein Wunder, so doch eine wundersame Erscheinung. …“

Unter der Leitung des Architekten Josef Fritz fand zwischen 1946–1953 die Wiederherstellung der Kirche von den Kriegszerstörungen statt.

Seitliche Ansicht der Frauenkirche Nürnberg
Künstlerisch bearbeitet mit Lightroom, PS CC und Nik Collection

Jährliches Highlight:

Die Eröffnung des weltberühmten Nürnberger Christkindlesmarkt findet in der Vorweihnachtszeit statt. Immer am Freitag vor dem 1. Advent spricht das Nürnberger Christkind ihren Prolog von der Empore der Frauenkirche.

Fazit:

Die Frauenkirche am Nürnberger Hauptmarkt bietet nicht nur für Fotografen einen Augenschmaus, sondern jeder Besucher der Stadt Nürnberg, sollte einen Besuch der Frauenkirche auf seiner To-Do-Liste haben.

Bleibt fasziniert,

Eure Sandra Sachsenhauser


2 Kommentare

Herbert Vetter · 20. Februar 2020 um 17:29

Danke für die tollen Fotos!

    FOTOKUNST LIMITIERT · 26. Februar 2020 um 12:28

    Sehr gerne!

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